Teil 7 - Ankommen in Spanien: Eine kurze Weggemeinschaft
Der Abstieg nach Pasajes Don Juan kostet mich viel Kraft. In der kleinen Herberge bin ich völlig erschöpft und brauche lange für meine Routine aus Duschen, Dehnen und Sortieren meiner Sachen. Dort treffe ich Daniel und Miriam aus Deutschland. Es tut gut, wieder Deutsch zu sprechen. Während wir uns unterhalten, massiere ich mein Bein. Daniel zeigt mir ein paar passende Yogaübungen und hilft mir mit einer Fußmassage. Genau im richtigen Moment.
Am nächsten Morgen gehen wir zusammen frühstücken, in einem Dorf, das noch schläft. Danach setzen wir mit dem Boot über und suchen auf der anderen Seite das Muschelsymbol. Ich frage mich, wann sich unsere Wege trennen werden. Bisher ist es oft so gewesen: Man läuft ein paar Stunden zusammen, dann gehen die anderen weiter. Doch Daniel und Miriam passen ihr Tempo meinem an. Wir reden, wir lachen, wir gehen auch einfach mal still nebeneinander her. Ich frage mich, wie lange diese kleine Gemeinschaft bestehen bleiben wird.
Mittags kommen wir in San Sebastián an, essen Tapas und laufen weiter entlang der Küste. Der Weg zieht sich, und irgendwann entscheiden wir uns für eine Variante durch einen bambusartigen Wald. Dort treffen wir auf ein Café der Gemeinschaft der „Zwölf Stämme“. Sie erzählen uns von einer Herberge ein paar Kilometer weiter. Also gehen wir los und finden sie tatsächlich genau in dem Moment, als wir nicht mehr daran geglaubt haben.
Als ich nach einer Etappe sage, dass ich nicht weitergehen kann, rechne ich damit, dass Daniel und Miriam einfach weiterziehen. Stattdessen überlegen wir gemeinsam: Wo können wir bleiben? Wie können wir das machen, ohne meinen Fuß zu überfordern? Für mich ist das neu. Nicht nur die Strecke zählt – auch das Miteinander. In diesen Tagen entsteht etwas, das ich lange vermisst habe: eine kleine Camino-Familie.
Die Tage entlang der Küste sind anstrengend und gleichzeitig schön. Ständig geht es bergauf und bergab. Manchmal sind es kleine Momente, die bleiben: Ich merke Druckstellen unter den Füßen, halte sofort an und versorge sie. Daniel hilft mir beim Abkleben, Miriam gibt mir Feinstrümpfe. Als Daniel mir beim Aufstehen die Hand reicht und sagt: „Du wirst nie alleine gehen“, klingt dieser Satz noch lange nach.
In Bilbao endet unsere gemeinsame Zeit. Es ist mein Geburtstag, und die beiden überraschen mich beim Frühstück mit Süßigkeiten und kleinen Kerzen. Dann verabschieden wir uns.
Danach fühle ich mich tagelang verloren. Der Weg wirkt plötzlich einsamer, weiter, leerer. Ich gehe allein weiter und brauche Zeit, um mich wieder in meinen eigenen Rhythmus einzufinden.


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